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Antibiotikaresistente Keime: NRW nimmt Schlachthöfe ins Visier

Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 2.400 Menschen an einer Infektion mit antibiotikaresistenten Bakterien. Trotzdem unterschätzten die Behörden das Risiko, kritisiert Reinhild Benning von der Umweltschutzorganisation Germanwatch: "Es rollt eine Resistenzwelle auf uns zu, wenn wir nicht sofort handeln." (Reportage von Henrik Hübschen und Mathea Schülke, WDR)

Genau das beklagen auch Umweltschützer im Kreis Gütersloh. Bei Stichproben wiesen sie im Herbst 2018 multiresistente Keime in der Ems nach. Ihre Vermutung: Die Keime stammen unter anderem aus dem Abwasser des großen Tönnies-Schlachthofs in Rheda-Wiedenbrück.Dort werden im Schnitt mehr als 25.000 Schweine pro Tag geschlachtet. Seit Ende vergangenen Jahres dürfen es noch mehr sein. Tönnies verweist auf eine "verantwortungsvolle Abwasserbehandlung" und den Nachweis von Antibiotikaresistenzen in ganz Deutschland. Zudem sei der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast insgesamt rückläufig.Der Kreis Gütersloh genehmigte die Erhöhung, ohne das Abwasser zu überprüfen: "Es gibt keine Grenzwerte für multiresistente Keime oder Antibiotika." Für die damalige Genehmigung "hätte es keine Rolle gespielt, wenn man multiresistente Keime gefunden hätte, die man unmittelbar auf den Schlachthof hätte zurückführen können". Zudem leite ohnehin auch ein örtliches Krankenhaus Abwasser in die örtliche Kläranlage ein.

 

Umweltministerium will Kläranlagen nachrüsten

Das NRW-Umweltministerium verteidigt das Vorgehen – kündigt aber gegenüber dem WDR-Magazin Westpol an, 2020 ein Messprogramm starten, das auch Schlachthöfe ins Visier nimmt. Werden dort antibiotikaresistente Keime im Abwasser nachgewiesen, müssten gegebenenfalls die Kläranlagen nachgerüstet werden. Dafür könnten dann auch die Schlachthöfe zur Kasse gebeten werden, so das Umweltministerium.

 

Dabei zeigen Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Bundes schon jetzt: Auch Schlachthöfe verbreiten antibiotikaresistente Keime. Denn wurden Tiere mit Antibiotika behandelt, können sie resistente Keime in den Schlachthof einschleppen. Über das Abwasser gelangen diese in die Umwelt.

 

"Die gängigen Resistenzen werden Sie auch da finden."

Das gilt auch für Tönnies, sagt Tierwissenschaftlerin Julia Steinhoff-Wagner, die an der Studie beteiligt war: "Es ist unrealistisch, dass ein Schlachthof, der so viele Tiere schlachtet, nur von Betrieben zugeliefert wird, die gar nichts einsetzen. Also die gängigen Resistenzen werden Sie auch da finden."

 

 Den Originalbeitrag finden Sie auf der Seite von WDR

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